Wie entstand der Flurname "Sauerbruch"?


Nicht der große Chirurg Sauerbruch hat bei der Namengebung für das Gelände Pate gestanden, auf dem sich heute die Kleingartenanlage "Zum Sauerbruch" befindet. Der Volksmund, der so oft treffende Bezeichnungen findet, hat hier den Namen geprägt.
Wo in den vergangenen Jahrhunderten der Mühlenbach durch Dornengestrüpp träge dahin floss, war meistens Heide. Im Laufe der Zeit entstanden zu beiden Seiten große Flächen mit einer Grasnarbe. Die Bezeichnung "Wiesen" konnte für diese Ländereien noch nicht gebraucht werden. Durch das Wasser, das über die Ufer getreten war, entstand ein mooriger Untergrund. Dort, wo der Boden nachließ und man zu versinken drohte, sprach deshalb von suren Wiesen, heute saure Wiesen. Durch die Zusammenfassung beider Bezeichnungen entstand dann der "Sur-Brauk".
Diese Bezeichnung hielt sich bei den wenigen Bewohnern des alten Marl lange Zeit. Kommt man heute noch in einen Kreis alter Marler Bürger, so hört man auch heute nur noch den Namen "Sur-Brauk".
Durch die Zuwanderung vieler Bürger aus Mittel-und Ostdeutschland wurde aus dem alten "Sur-Brauk" der Flurname "Sauerbruch", der auch heute amtlich in den Grundbüchern geführt wird. Auch die Kleingartenanlage hat den Namen "Sauerbruch" zum Symbol erhoben und will ihm Ehre machen.
 

Kleingartenanlage "Zum Sauerbruch"


Viele Jahrzehnte ist es her, dass in dieser schnelllebigen und hektischen Zeit am 12. Juni 1950 der erste Spatenstich zum Entstehen dieser Anlage ausgehoben wurde.
Bei einer Gesamtfläche von 42 260 qm, davon 34190 qm Nutzfläche und 8070 qm öffentliches Grün ist sie mit ihren 94 Parzellen die größte und älteste Kleingartenanlage der Stadt Marl.
Kleingarten -Daueranlagen fallen nicht als reife Frucht vom Himmel, sondern müssen hart erarbeitet werden. Davon wissen jene Gartenfreunde, die in zäher Arbeit allen Widerständen zum Trotz aus dem Sumpfgebiet eine und blühende Oase schufen, die sich heute dem Beschauer darbietet.
Die Kleingärten erneuern in der Industriebevölkerung die unerlässliche Verbindung mit den Kräften der Natur und verhelfen zu freudvoller Freizeitgestaltung, Erholung und Entspannung. Darüber hinaus haben die Gartenfreunde durch ihr emsiges und liebevolles Wirken in den Daueranlagen eine Erholungsstätte für die gesamte Bevölkerung geschaffen.
Kleingarten, als Teil des öffentlichen Grüns, werden auch für die Zukunft nur Bestand haben, wenn sie von dem Willen und Wollen einer sozial eingestellten Stadtvertretung und –Verwaltung getragen werden.
 

Laubenkolonie oder Kleingarten?


Der Kleingarten nimmt heute in der fortschreitenden Bestädterung, Technisierung und Automatisierung des Lebens wieder- wie zu Beginn der Kleingartenbewegung (Schrebergartenbewegung) in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts- vor allem soziale, sozial-ethische und soziologische Funktionen wahr. Denjenigen, die nicht in Eigenheimen oder Kleinsiedlungen wohnen bzw. wohnen können, vermittelt der Kleingarten einen Ausgleich für die fehlende Verbindung mit dem Grund und Boden. Er bietet der Familie Raum und Gelegenheit für eine intensivere Gestaltung des Familienlebens. Erholung, Entspannung und Ausgleich für berufliche Inanspruchnahme werden ebenso ermöglicht wie eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Den alten, aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen Menschen bietet er ein weites Betätigungsfeld.
Immer stärker hat sich die Notwendigkeit ergeben, die Zufälligkeit und Planlosigkeit der Koloniegründungen und deren rein privaten Charakter aufzugeben und mit aller Kraft dahinzustreben, dass die Kleingartenanlagen planmäßig eingeordnete, rechtlich anerkannte und gleichzeitig wohlgestaltete Dauerbestandteile unserer Städte und Gemeinden werden.
Besser als öffentliche Parks, gepflegte Rasenflächen oder eine Wanderung durch Feld und Wald ersetzt der Kleingarten den Miethausbewohnern den in unmittelbarer Verbindung mit der Wohnung fehlenden Hausgarten.
Auch in der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen ist das Kleingartenwesen verankert. Demzufolge sind Gemeinden und Gemeindeverbände zur Förderung des Kleingartenwesens bestellt und haben insbesondere für die Anlegung und Ausgestaltung der Kleingartenanlagen als öffentliches Grün zu sorgen.
Die Kleingärtner wollen auch keine Konkurrenten der Berufsgärtner sein, sondern sind und bleiben Abnehmer und Kunden. Die Kleingärtner-Vereine sind auch etwas anderes als die Gartenbauvereine, die den Gartenliebhaber und seinen Hausgarten betreuen, beraten und belehren. Der Kleingärtner bewirtschaftet meistens nur Pachtland.
Somit lässt sich feststellen, dass der Kleingarten im Laufe der vergangenen Jahre eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht hat und vom Aschenbrödel der Vorstadtgärten, der Laubenkolonie, zu einem wichtigen Glied in der heutigen Grünflächenpolitik der Städte geworden ist.
 

Schrebergarten in Marl


Als das kleine Heidedorf Marl am Anfang des Jahrhunderts durch die Niederbringung des Schachtes Brassert aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde, wurde auch der Gedanke, in Marl Schrebergärten anzulegen, durch die Zuwanderung vieler Bürger aus Mittel- und Ostdeutschland immer lebendiger. Ohne große Mithilfe der örtlichen Behörden entstanden an der Hagenstraße und später auch an der Goethestraße schöne Anlagen. Der Zustrom der Bevölkerung zu dieser Bewegung der Schrebergärten wurde größer. Der Vorstand des Schrebergartenvereins an der Goethestraße erhielt dann auch für seine Arbeit den Lohn. Nach langen Verhandlungen mit den Behörden und den Besitzern von Ländereien konnte vom Rat der Stadt Marl das Gelände im Sauerbruch zur Verfügung gestellt werden.
Nach den Plänen des Planungsamtes wurden von Vermessungstechnikern im Winter 1949/1950 alle umfangreichen Vermessungen vorgenommen. Als im Frühjahr des Jahres 1950 die Vereinsmitglieder, die sich so wünschten, ein kleines Stückchen Garten zu besitzen, wo man in der Natur schaffen kann, endlich den Spaten in die Erde graben konnten, standen viele doch noch zweifelnd davor. Werden wir es schaffen, was wir uns vorgenommen haben, wurde dabei von vielen gedacht.
Gräben, die das Gelände durchzogen, mussten zugeschüttet werden. Die Wege wurden zum Teil bis zu einer Tiefe von 1 m ausgeschachtet. Die Müllwagen der Stadt rollten an und entleerten ihren Inhalt. In freiwilliger Arbeit planierten die Gartenfreunde den Müll immer Stück für Stück weiter. Zu dieser Zeit hatte die Verwaltung der Stadt keine Sorgen, wo sie den Müll lassen sollte.
Durch ein großzügiges Darlehen des Landes Nordrhein-Westfalen konnten alle Materialien beschafft werden, die zur Umzäunung der Anlage benötigt wurden. Jeden Morgen, wenn der Hahn krähte, zogen die Schrebergärtner zum Sauerbruch, und frohgemut wurden alle Arbeiten verrichtet, die der Gestaltung der Anlage dienten. Der Staub, der bei der Arbeit im tiefdunklen Schacht in die Brust war, wurde dann im taufrischen Morgen in freier Luft ausgeatmet.
Alle Arbeiten konnten im ersten Jahr nicht vollendet werden, und so blieb auch für die nächsten Jahre noch manches zu erledigen. Frohen Mutes packten die alten Pioniere immer wieder zu Manch einer kapitulierte, aber immer waren wieder Gartenfreunde da, um das Werk fortzusetzen, das 1950 begonnen worden war.
Angelegt wurden 80 Einzelgärten.
Durch Unterstützung der Direktionen der Zeche Brassert, der Chemischen Werke und auch der Zeche Auguste-Victoria erhielten wir viele Tonnen Kesselasche zum Befestigen der Wege. Auch viele andere Materialien wurden kostenlos zur Verfügung gestellt. Damit kamen wir dem gesteckten Ziele immer ein Stück näher. Auch die Stadt Marl hatte oft eine offene Hand, und manches Anliegen der Vorstandsmitglieder, vorgetragen beim Garten- und Friedhofsamt, fand ein offenes Ohr. Einige unserer alten Pioniere mussten wir auch zu Grabe tragen. Wir konnten immer nur das Gelöbnis wiederholen, im Sinne der Verstorbenen weiter zu handeln. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, wenn man davor steht. Aber ist die Zeit vergangen und kann man in dem Bewusstsein, etwas Gutes geschaffen zu haben, zurückblicken, dann sind diese Aufbaujahre doch recht kurz gewesen.